Individuell & Kraftvoll
Trauer muss nicht schwarz sein
Frühere Herrscher trauerten in Violett, die Ägypter in Geld, die Urchristen in Weiß.Auch heute noch bestimmen Religion, Hautfarbe oder Gesellschaft die Farbe der Trauer. Weltweit hat sich in den nicht religiös geprägten Kreisen der Gesellschaft die Farbe Schwarz mittlerweile als Trauerfarbe durchgesetzt - Zeit, auch in der Trauer Farbe zu bekennen?!


Schwarz und Weiß
In der Farbsymbolik steht Schwarz für die Farbe, die am stärksten polarisiert. Jeder kennt den Begriff des "Schwarz-Weiß-Denkens" und verbindet ihn mit absoluter Polarität. In der Farbsymbolik der Trauer steht Schwarz für den Tod, das Ende allen Lebens im Diesseits. Dem gegenüber bedeutet die Farbe Weiß Leben, im christlichen Sinn auch Ewiges Leben.Da die Farbe Weiß in der Trauersituation im christlichen Kontext mit Auferstehung und ewigem Leben verbunden wurde, trug der Verstorbene ein weißes Totenhemd, welches die Hoffnung auf Auferstehung und eingang ins Ewige Leben symbolisierte. Auch hier polarisieren die Farben: Schwarz-Weiß, Diesseits - Jenseits, Tod - Leben
In dem Maße, in dem der religiöse Bezug zum Jenseits in unserem Kulturkreis verloren geht, tritt auch die Bedeutung der jenseitigen Verheißung zurück, und der Blick wendet sich dem Diesseits zu, dem Leben des Verstorbenen und der Trauernden.
Blickwechsel
Mit der Hinwendung zum Leben des Verstorbenen gewinnt auch die Farbsymbolik des Alltags im Prozess des Abschieds und der Trauer eine größere Bedeutung. In dem Maße, in dem die Farbenpracht des Lebens an Bedeutung gewinnt, tritt die polarisierende Bedeutung von Schwarz und Weiß zurück. Der Blick konzentriert sich auf das Diesseits und das konkrete Leben, das hier stattgefunden hat und nun verabschiedet wird - mit der gesamten Palette seiner Farben.
Farbsymbolik
Die Farbsymbolik der Trauersituation löst sich heutzutage mehr und mehr von der Tradition zugunsten individueller Vorlieben. So wird es möglich, die Farben auf das Leben des Verstorbenen abzustimmen. Gerade beim Abschied richtet sich der Blick auf dieses einzigartige Leben. Farben, Licht und Blumenwerden zunehmend zu sinnvollen und wichtigen Elementen des Trauerprozesses, da sie sowohl eine erinnernde, als auch eine tröstenden Wirkung haben.
Der Regenbogen projiziert diese Farbesymbolik in den Himmel:
Blau ist die Farbe des Vertrauens und der Verlässlichkeit; der ferne, der Weite und der Unendlichkeit. Blau ist still und entspannend, sympathisch und harmonisch
Grau ist die Farbe der Integrität und Reife, der Beständigkeit und Ruhe.
Violett ist die Farbe der Magie und Spiritualität, aber auch der Dekadenz und Zweideutikeit
Grün ist die Farbe der Natur und des Lebens, des Wachsens und der Entwicklung
Schwarz ist die Farbe der Trauer und Einsamkeit (allerdings nur in ganz bestimmten Kulturen z.B. in Europa); aber auch die Farbe der Bedeutsamkeit und Macht.
Weiß ist die Farbe der Unschuld und Wahrheit, des Neuen und Vollkommenen.
Orange ist die Farbe der Wärme, der Wahrheit und des Optimismus.
Rot ist die älteste Farbbezeichnung überhaupt und kreist um die Bilder "Blut" (Leidenschaft, Liebe,Hass,Aufregung.) und "Feuer" (Hitze,Wärme etc. )
Die (Be-)Deutung der Farben ist abhängig von individuellen Erfahrungen, historischem und gesellschaftlichem Kontext. Bei der farbigen Gestaltung einer Trauerfeier, des Sarges, der Blumengestecke und auch der Kleidung der Trauernden gilt der Leitsatz "weniger ist oft mehr".
Es kann und darf natürlich nicht darum gehen, um jeden Preis eine möglichst "bunte" Feier zu gestalten. Der bewusste und gezielte Einsatz von Farben zur Unterstreichung der Persönlichkeit des Verstorbenen und seines Lebens wirkt wohltuend lebendig in einer Situation der Konfrontation mit Sterben, Tod und Trauer.